Unsere kommende Aufführung:

Der zerbrochene Krug

Ein Lustspiel von:


Heinrich von Kleist

Für die Laienbühne St.Max
eingerichtet von Manfred Erdmann.

Heinrich von Kleist – Ein Bild seines Lebens und Wirkens

von Dr. Rudolph Genée
aus: H.v.Kleists sämtliche Werke; Verlagsbuchhandlung A.Weichert; Berlin 1912

Was den „Zerbrochenen Krug“ betrifft, so wissen wir, dass er dies merkwürdige dramatische Charakterbild, welches in der Gattung der Lustspiele oder Komödien völlig einzig in seiner Art dasteht, mehrere Jahre mit sich herumgetragen hatte, ehe es zur Vollendung kam. … Diese Art zu arbeiten, konnte nur bei einem Stücke von dieser ganz eigenartigen Form ein Gelingen denkbar machen. Ein Lustspiel im gebräuchlichen Sinne ist es denn auch ganz und gar nicht geworden; es ist ein humoristisches Charakterbild, das in nur einer einzigen Szene entwickelt wird, welche Szene aber von der Länge eines dreiaktigen Stückes ist. Eine vor unseren Augen fortschreitende Handlung hat das Lustspiel gar nicht; denn das, was geschehen ist, liegt schon in der Vergangenheit. Aber um so erstaunlicher ist die Kunst des Dichters, wie er das Geschehene ganz allmählich zur Klarheit bringt, und dabei die Charaktere der Personen aus der Art, wie der Prozess geführt wird und endlich verläuft, vollkommen lebenswahr entwickelt.

 

Kurzbeschreibung:

Die Handlung spielt um 1830 in dem niederländischen Dorf Huisum bei Utrecht.

Adam, kahlköpfiger und klumpfüßiger Dorfrichter stellt Eve nach, der Tochter der Witwe Marthe. Um das Mädchen gefügig zu machen, hat er ihr vorgegaukelt, ihr Verlobter, der Bauernsohn Ruprecht, solle zum Militärdienst eingezogen werden und beim Bürgerkrieg in Niederländisch -Indien kämpfen. Adam verspricht der verzweifelten Eve ein Attest für den Bräutigam. Heimlich lässt sie ihn deshalb abends in ihre Kammer, wo er das Dokument angeblich ausfertigen will. Indes hat Ruprecht die beiden beobachtet, sprengt die Tür auf und schlägt Adam noch zweimal mit der Klinke über den Schädel, bevor der im Dunkel unerkannt flüchten kann. Im Fortlaufen zerbricht der Adam einen Krug und verliert seine Perücke im Birnenspalier unter Eves Fenster. Die durch den Lärm aufgeschreckte Mutter hält Ruprecht für den Täter. Eve wagt nicht zu widersprechen aus Angst, dass Adam ihren Verlobten nun erst recht nach Griechenland senden wird. Die erzürnte Frau Marthe will vor Gericht den zerbrochenen Krug - und damit Eves Ehre - wiederherstellen lassen.

In dieser Situation setzt die Handlung ein. Dorfrichter Adam wird von seinem Schreiber Licht mit der höchst unwillkommenen Nachricht geweckt, der Gerichtsrat Walter aus Utrecht werde in Kürze zur Revision eintreffen. Schon treten auch die ersten Streitparteien auf, Frau Marthe mit Tochter Eve und Bauer Veit mit Sohn Ruprecht. Adam kann peinlicherweise seine Perücke nicht finden und muss unter Walters gestrengen Augen ohne die Insignien seiner Amtswürde Gerichtstag halten. Frau Marthe verklagt Ruprecht, in Eves Zimmer einen wertvollen Krug zerbrochen zu haben. Ruprecht bestreitet dies und schimpft Eve eine „Metze“. Sie gesteht, der Ruprecht sei es nicht gewesen, will aber den Namen des anderen Mannes auf keinen Fall nennen. Der listige Dorfrichter versucht, mit Drohungen und immer abenteuerlicheren Lügengespinsten den eigenen Hals aus der Schlinge zu ziehen und die Schuld an der Sache dem Ruprecht in die Schuhe zu schieben. Selbst der Teufel wird als Täter bemüht, weil die herbeizitierte Zeugin Frau Brigitte im Schnee Klumpfuß-Spuren entdeckte. Gerichtsrat Walter hat Adam längst durchschaut, will ihn die Sache jedoch beenden lassen. Als Adam Ruprecht verurteilt, gesteht Eve die Wahrheit und macht die Vorgeschichte samt Adams Betrug offenbar. Der Dorfrichter flieht, Schreiber Licht nimmt vorläufig seinen Platz ein. Und Frau Marthe wird in Utrecht weiterklagen, damit „auch dem Krug sein Recht geschieht.“